WILLKOMMEN ZUR S C H Ö P F U N G S Z E I T 2010

[Die folgenden Anregungen sind im wesentlichen aus: „Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können. Materialien zur Fastenaktion. Liturgische Bausteine 2009“ (Misereor) und persönlichen Erfahrungswerten] 

4. Woche: „MUTTER ERDE“
[Häufchen Erde in der Mitte, Blumentopf + Samen v. Pflanzen]

KÖRPERÜBUNG ZUM ANKOMMEN IN DER STILLE:
„Ich sitze auf einem Stuhl oder Hocker.
Meine Füße ruhen auf dem Boden.
Meine Knie sind nicht höher als das Becken.
Ich spüre zu meiner Sitzfläche hin und richte mich vom Becken her auf.
Meine Wirbelsäule ist gerade.
Meine Hände liegen auf den Oberschenkeln oder ruhen im Schoß.
Mein Scheitelpunkt zeigt nach oben.
Ich fühle mich getragen vom Stuhl, vom Hocker und vom Boden.
Ich spüre meinen Atem, wie er kommt und geht,
lasse mit jedem Ausatmen los.
Ich bleibe ganz aufmerksam in meiner Atembewegung.
Ich verweile in dieser Wahrnehmung. ...
Ich beende die Übung, indem ich tief durchatme,
die Augen öffne und mich dem Meditationsimpuls zuwende.“


MICH EINFINDEN:
„Ich bin da vor Gott. Gott ist da. Ich darf in seiner Gegenwart sein.
Er ist mir nahe. Ich beginne in seinem Namen:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“


GEBET:
Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernährt und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.


BETRACHTUNG:
Es ist einzig die Erde, die Franziskus im Sonnengesang „Mutter“ nennt. Ihr weist der Heilige eine besondere, eine einzigartige Stellung zu. Die Erde ist nicht wie alles andere Geschöpfliche „nur“ geschwisterlich mit uns verbunden; vielmehr ist sie unsere Mutter – und wir sind ihre Kinder. Franziskus empfindet die Menschen aus beidem geboren: aus dem Vater im Himmel und aus der Mutter Erde.
Franziskus denkt und empfindet durch und durch „irdisch“. Aus seinem Blickwinkel ist die Erde nicht ein Ort, den wir Menschen um des Himmelreiches willen möglichst schnell wieder verlassen müssten. Nein, aus der Erde hat Gott die „Geschwister Menschen“ erschaffen (vgl. auch Gen 2,7). So erklärt sich die Hochachtung vor der Erde, wie Franziskus sie in seinem Sonnengesang ausdrückt. So kann ich mich in dieser Woche einüben als Kind der Erde. [nach Helmut Schlegel]


MEDITATIONSTEXT:
Mit der Erde kannst du spielen, spielen wie der Wind im Sand und du baust in deinen Träumen dir ein buntes Träumeland. Mit der Erde kannst du bauen, bauen dir ein schönes Haus. Doch du solltest nie vergessen: Einmal ziehst du wieder aus. Eine Handvoll Erde, schau sie dir an, Gott sprach einst: Es werde!, denke daran.
Auf der Erde kannst du stehen – stehen weil der Grund dich hält und so bietet dir die Erde einen Standpunkt in der Welt. In die Erde kannst du pflanzen – pflanzen einen Hoffnungsbaum, und er schenkt dir viele Jahre einen bunten Blütentraum. Eine Handvoll Erde, schau sie dir an, Gott sprach einst: Es werde!, denke daran.
Auf der Erde darfst du leben – leben ganz und jetzt und hier, und du kannst das Leben lieben, denn der Schöpfer schenkt es dir. Unsre Erde zu bewahren – zu bewahren, das, was lebt, hat Gott dir und mir geboten, weil er seine Erde liebt.
Eine Handvoll Erde, schau sie dir an, Gott sprach einst: Es werde!, denke daran.


Ich tue, was ich gerade meditiert habe: ich nehme eine Handvoll Erde, um „Mutter Erde“ zu (er-)spüren, sie zu bereiten, damit etwas in ihr wachsen kann.
Ich lasse sie durch meine Finger gleiten... nehme die Erde erneut auf.-
Die Gaben der Erde sind die Früchte, die aus ihr wachsen. Ich nehme den Blumentopf und Samen und säe sie aus in ein wenig Erde. Ich lasse mir bei all dem Zeit. Ich spüre in die Erde und in mich hinein. –


FRAGEN ZUR BETRACHTUNG:

  • Was denke ich?
  • Was empfinde ich?
  • ...
  • Was habe ich gerade erlebt mit der Erde in meinen Händen?
  • Was davon möchte ich mir aufschreiben, um es zu bewahren?

Die „Schöpfungszeit“ ist nicht zu Ende, sie „lebt“ weiter – im wahrsten Sinn des Wortes äußerlich sichtbar und unsichtbar in mir!

BIBELWORT:
Wenn der Herr, dein Gott, dich in ein prächtiges Land führt, ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt, ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig, ein Land, in dem du nicht armselig dein Brot essen musst, in dem es dir an nichts fehlt, ein Land, dessen Steine aus Eisen sind, aus dessen Bergen du Erz gewinnst; wenn du dort isst und satt wirst und den Herrn, deinen Gott, für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist, dann nimm dich in acht und vergiss den Herrn, deinen Gott, nicht. (Dtn 8,7-11a)


GEBET [f. den 1. Teil der Woche]:
Herr, du hast uns eine ganz Erde geschenkt, doch da sind so viele Menschen ohne Land, ohne Brot, weil wir nicht wissen, weil wir immer wieder vergessen, dass alle Menschen Schwestern und Brüder sind.
Herr, du hast uns eine ganz Erde geschenkt, doch da sind so viele Menschen ohne Haus, ohne Arbeit, weil wir nicht wissen, weil wir immer wieder vergessen, dass alle Menschen Schwestern und Brüder sind.
Herr, du hast uns eine ganze Erde geschenkt, doch da sind so viele Menschen krank und in Not, weil wir nicht wissen, weil wir immer wieder vergessen, dass alle Menschen Schwestern und Brüder sind.


GEBET [f. den 2. Teil der Woche]:
Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, aus dem alles ist, was lebt, Pflanzen, Tiere und Menschen, er sei mit uns, unser Leben zu schützen und zu segnen.
Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, stehe uns und allen Menschen bei, uns zu freuen an allem Geschaffenen, und das Staunen nicht zu verlernen beim Anblick seiner Wunderwerke.
Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, helfe uns, seiner Schöpfung mit Ehrfurcht zu begegnen, statt sie zu missachten, statt sie auszubeuten, statt sie zu zerstören.
Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, unterstütze uns mit seiner Kraft, mit der Schöpfung so umzugehen, dass sie auch kommenden Generationen noch ein Garten ist, in dem sie mit Freude leben.

Dazu schenke uns der Herr seinen Segen,
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


3. Woche: „BRUDER FEUER“
[brennende Kerze in der Mitte]

KÖRPERÜBUNG ZUM ANKOMMEN IN DER STILLE:
„Ich sitze auf einem Stuhl oder Hocker.
Meine Füße ruhen auf dem Boden.
Meine Knie sind nicht höher als das Becken.
Ich spüre zu meiner Sitzfläche hin und richte mich vom Becken her auf.
Meine Wirbelsäule ist gerade.
Meine Hände liegen auf den Oberschenkeln oder ruhen im Schoß.
Mein Scheitelpunkt zeigt nach oben.
Ich fühle mich getragen vom Stuhl, vom Hocker und vom Boden.
Ich spüre meinen Atem, wie er kommt und geht,
lasse mit jedem Ausatmen los.
Ich bleibe ganz aufmerksam in meiner Atembewegung.
Ich verweile in dieser Wahrnehmung. ...
Ich beende die Übung, indem ich tief durchatme,
die Augen öffne und mich dem Meditationsimpuls zuwende.“


MICH EINFINDEN:
„Ich bin da vor Gott. Gott ist da. Ich darf in seiner Gegenwart sein.
Er ist mir nahe. Ich beginne in seinem Namen:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“


GEBET:
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
schön ist es, liebenswürdig, kraftvoll und stark.


BETRACHTUNG:
„Schön“ nennt Franziskus das Feuer. Und in der Tat: das Feuer ist von faszinierender Schönheit! Wenn die Flammen züngeln und lodern, wenn das brennende Holz knistert und knackt, wenn der dünne Rauch aufsteigt. Ja, Feuer fasziniert in seiner Schönheit.
Auch „liebenswürdig“ nennt Franziskus das Feuer. Wer friert, weiß die Liebenswürdigkeit des Feuers zu schätzen, das wohlige Wärme spendet. Für den, der ohne existentielle Sorge am Feuer sitzen darf, strahlt es Gemütlichkeit und Behaglichkeit aus.
Und „kraftvoll und stark“ nennt Franziskus das Feuer. Gerade darin erleben viele Menschen das Feuer mitunter eher als Fluch, denn als Segen: wenn lodernde Brände Wohnungen und Häuser, ganze Ortschaften vernichten, wenn sie ganze Landstriche und Waldflächen in Schutt und Asche legen. Doch Kraft und Stärke des Feuers kommen den Menschen zugute, wo etwa Eisen im Feuer geschmolzen und zu nutzbarem Handwerkszeug geformt wird, oder wo es unter dem Kochtopf mit seiner Hitze die Speisen gart und genießbar macht. So nähere ich mich also in dieser Woche Bruder Feuer.


GESCHICHTE:
Martin Buber hat folgende Geschichte überliefert:
Rabbi Bunam pflegte folgende Geschichte von Eisik Ben Jekel aus Krakau zu erzählen. Dem war im Traum befohlen worden, in Prag unter der Brücke, die zum Königsschloss führt, nach einem Schatz zu suchen. Eisik machte sich auf und wanderte nach Prag. Aber an der Brücke standen Tag und Nacht Wachtposten, und er getraute sich nicht zu graben. Jeden Morgen kam er zur Brücke und umkreiste sie bis zum Abend. Endlich fragte ihn der Hauptmann, ob er hier etwas suche oder auf jemand warte. Eisik erzählte, welcher Traum ihn aus fernem Land hergeführt habe. Der Hauptmann lachte: „Und da bist du armer Kerl mit deinen zerfetzten Sohlen einem Traum zu Gefallen hergepilgert? Ja, wer seinen Träumen traut! Da hätte ich mich ja auch auf die Beine machen müssen, als es mir einmal im Traum befahl, nach Krakau zu wandern und in der Stube eine Juden, Eisik Ben Jekel, unterm Ofen nach einem Schatz zu graben. Ich kann´s mir vorstellen, wie ich drüben, wo die eine Hälfte der Juden Eisik und die andere Jekel heißt, alle Häuser aufreiße!“ – und er lachte wieder. Eisik aber verneigte sich, wanderte heim und grub den Schatz aus. [überliefert v. Martin Buber]

GEDANKEN UND FRAGEN ZUR PERSÖNLICHEN BETRACHTUNG:
Eines fasziniert an dieser Geschichte ganz besonders: Der Ort, wo der Schatz vergraben ist, liegt bei uns zu Hause unter der Stelle, wo das Feuer brennt! Das lässt mich fragen: Wo ist meine Feuerstelle? Wofür glühe ich? Was weckt meine Leidenschaft? Wann bin ich feurig bei der Sache? Und wofür? Welche Schätze kommen unter meiner Feuerstelle zum Vorschein?
Bei Franziskus erweist sich Christus und der Glaube an einen guten Gott als der Schatz. Und dieser Gott zeigt sich ihm: in der Bibel, in der Eucharistie, in den Mitmenschen, in der ganzen Schöpfung. Immer, wenn Franziskus sich diesem Schatz und seinen vielfältigen Erscheinungsweisen nähert, brennt das Feuer in ihm.
Wenn ich in die Flamme einer brennenden Kerze schaue, frage ich mich...

  • Welchen Schatz birgt meine Feuerstelle?
  • Brennt überhaupt etwas in mir?
  • Welcher Schatz ist es wert, feurig zu werden?
  • Sollte ich vielleicht nach anderen Schätzen suchen, mich an anderen Feuern wärmen?

STILLE

GEBET:
Gott, du bist wie Feuer: glühend, feurig, leidenschaftlich –
schenke meinem Leben Glut!
Gott, du bist wie Feuer: leuchtend, erhellend, wärmend –
Lass mich nicht kalt bleiben!
Gott, du bist wie Feuer: hitzig, begeistert, ansteckend –
Steck mich an!
Gott, du bist wie Feuer: erhitzend, schmelzend, verwandelnd –
Verwandle mich!
Gott, du bist wie Feuer: zündend, übergreifend, entflammend –
Entzünde mich!
Gott, du bist wie Feuer: liebenswürdig, kraftvoll, stark –
Schenke uns von deiner Kraft!
Amen.


2. Woche: „SCHWESTER WASSER“

[Schüssel m. Wasser in der Mitte]

KÖRPERÜBUNG ZUM ANKOMMEN... / MICH EINFINDEN (s. 1. Woche)

GEBET:
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

BETRACHTUNG:
In dieser Woche begleitet mich „Schwester Wasser“. Von ihr singt Franziskus im Sonnengesang: „Es ist nützlich, demütig, kostbar und keusch.“
Der Religionsphilosoph Bernhard Welte hat diesen Gedanken einmal so ausgefaltet:
„Das Wasser ist demütig. Es sucht sich immer den niedersten Platz auf der Welt, und wenn es in den Bergen entspringt, dann hat es nichts Eiligeres zu tun, als wieder herunter zu kommen in die Tiefe. Ein anderer Grund ist der: Das Wasser ist demütig, weil es von sich selber kein Aufsehen macht. Es schmeckt für gewöhnlich nach nichts, und es hat keine Farbe und ist ganz durchsichtig. In dieser Hinsicht ist sozusagen nichts dran. Gerade auch dieses Nichts gehört mit zu seiner Demut.
Diese Demut und die (heute oft genug bedrohte) Reinheit des Wassers darf uns freilich nicht darüber täuschen, dass im Wasser doch auch eine große Kraft ruht. Weil das Wasser auch Kraft hat, kann es auch nützlich sein. Freilich nur dann, wenn es in angemessener Weise genutzt wird, sonst kann es auch bedrohlich werden. Wenn das Wasser sich etwa mit dem Wind verbindet, dann kann seine Kraft unheimlich werden. Die Demut, die Keuschheit, die Nützlichkeit des Wassers dürfen uns nicht dazu verführen, es für harmlos oder belanglos zu halten. Es steckt allerhand in ihm.“
Und Bernhard Welte formuliert noch einen weiteren interessanten Gedanken: „Es ist schon merkwürdig, dass das Wasser uns einlädt, uns zu entkleiden. Denn mit den Kleidern legen wir auch die Statussymbole ab, den gebügelten Anzug, die feine Montur aus Seide oder Wolle oder was immer, ebenso wie die Bluejeans, die ja auch ein Statussymbol sind. Wir leben damit aber doch wohl auch viel seelische Aufmachung ab und viel Sorge um unsere Geltung in der Welt.“ –
Diese Sorge kann ich nun Gott übergeben und mich anstecken lassen von der Nützlichkeit, der Demut, der Kostbarkeit und der Keuschheit meiner Schwester Wasser.

PSALMENGEBET:
Gott, was für Wunder hast du vollbracht!
Alles hast du weise geordnet; die Erde ist voll von Deinen Geschöpfen.
Gott, du lässt Quellen entspringen und zu Bächen werden.
Zwischen den Bergen suchen sie ihren Weg.
Sie dienen dem Wild als Tränke, Wildesel löschen dort ihren Durst.
An den Ufern bauen die Vögel ihre Nester, aus dichtem Laub ertönt ihr Gesang.
Vom Himmel schickst du den Regen herab auf die Berge; so sorgst du dafür, dass die Erde sich satt trinkt.
Du lässt das Gras wachsen für das Vieh und Gewächse für den Bedarf der Menschen, so bringst du Brot aus der Erde hervor.
Wein erfreue die Menschen, sie werden schön vom Öl,
und das Brot mache sie stark.
Auch die großen Bäume trinken sich satt,
die Libanonzedern, die du gepflanzt hast.
In ihren Zweigen nisten die Vögel, hoch in den Wipfeln hausen die Störche.
Den Steinböcken gehören die hohen Berge, in den Felsen finden die Klippdachse Zuflucht.
Du hast den Mond gemacht, um die Zeit zu messen; die Sonne weiß, wann sie untergehen muss.
Schickst du die Dunkelheit, so wird es Nacht, und die Tiere im Dickicht werden lebendig.
Geht dann die Sonne auf, so ziehen sie sich zurück und ruhen sich in ihren Schlupfwinkeln aus.
Nun erwachen die Menschen; sie gehen an ihre Arbeit und mühen sich, bis es wieder Abend wird.
Gott, was für Wunder hast du vollbracht!
Alles hast du weise geordnet; die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Amen. [Hanne Köhler nach Psalm 104]

FRAGEN ZUR PERSÖNLICHEN MEDITATION:

  • Wie er-lebe ICH Wasser?
  • Welche (Grenz-)Erfahrungen habe ich in meinem Leben mit Wasser gemacht?


STILLE [m. Eintauchen der Hände ins Wasser]

SEGEN:
Herr, durch das große Wasser hindurch hast du Noach und seine Familie gerettet. Durch das große Wasser hindurch hast du Mose und sein Volk gerettet. Dein Sohn Jesus Christus ist selbst das lebendige Wasser. In ihm leben wir auf. In ihm entfalten wir uns. Durch ihn sind wir gerettet.
Herr wir bitten dich: segne uns und behüte uns, du rettender und treuer Gott. Sei um uns und in uns wie lebendiges Wasser. Schenke Frieden und Segen der ganzen Welt, du der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. Amen.



1. Woche: „BRUDER SONNE“
[Gelbes rundes Tuch in der Mitte]

KÖRPERÜBUNG ZUM ANKOMMEN IN DER STILLE:
„Ich sitze auf einem Stuhl oder Hocker.
Meine Füße ruhen auf dem Boden.
Meine Knie sind nicht höher als das Becken.
Ich spüre zu meiner Sitzfläche hin und richte mich vom Becken her auf.
Meine Wirbelsäule ist gerade.
Meine Hände liegen auf den Oberschenkeln oder ruhen im Schoß.
Mein Scheitelpunkt zeigt nach oben.
Ich fühle mich getragen vom Stuhl, vom Hocker und vom Boden.
Ich spüre meinen Atem, wie er kommt und geht,
lasse mit jedem Ausatmen los.
Ich bleibe ganz aufmerksam in meiner Atembewegung.
Ich verweile in dieser Wahrnehmung. ...
Ich beende die Übung, indem ich tief durchatme,
die Augen öffne und mich dem Meditationsimpuls zuwende.“

MICH EINFINDEN:
„Ich bin da vor Gott. Gott ist da. Ich darf in seiner Gegenwart sein.
Er ist mir nahe. Ich beginne in seinem Namen:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

GEBET:
Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
von dir, Höchster, ein Sinnbild.
Amen

GEDANKEN AM MORGEN:
Noch ist es dunkel draußen. Doch es dauert nicht mehr lange, bis die Sonne aufgeht. Zunächst ahne ich sie nur in der Morgendämmerung. Doch ganz sicher wird mich das Licht der Sonne erreichen, sobald sich unser Erdteil der Sonne zuwendet. Vielleicht steht mir ein strahlender Sonnentag bevor, an dem ich mich am Spiel von Licht und Schatten erfreuen kann. Vielleicht erwartet mich auch ein Tag, an dem ich die Sonne kaum oder gar nicht zu Gesicht bekomme.
GEDANKEN AM ABEND:
Es ist schon dunkel geworden draußen. Ein Tag liegt hinter mir. War er sonnig, trübe oder regnerisch? So oder so hat die Sonne den vergangenen Stunden ihr Licht und ihre Wärme gegeben. So oder so ist die Sonne da – ob ich sie sehe oder nicht. Für Franziskus ist die Sonne, von ihm liebevoll „Herr“ und „Bruder“ genannt, ein Bild Gottes. Wie die Sonne strahlt, wie sie ihr Licht bringt, Wärme schenkt und Leben – all das in erhabener Schönheit - , so bringt auch Gott Licht und Wärme und Schönheit in das Leben der Welt. Die Sonne, Geschöpf Gottes wie ich als Mensch und darum mein Bruder, ist nicht Gott. Doch sie lässt mich Gott erahnen: licht-voll, kräftig, Leben hervorbringend. Diesem Leben bin ich auf der Spur.

BETRACHTUNG:
Unter allen Geschöpfen, die der Vernunft entbehren, liebte Franziskus am meisten die Sonne und das Feuer. Denn er sprach:
„Wenn am Morgen die Sonne aufgeht, sollten alle Menschen Gott preisen, der sie zu unserem Nutzen geschaffen hat, denn sie schenkt unseren Augen das Licht des Tages.“ Die Sonne war Franziskus das schönste aller Geschöpfe, und er hielt sie für das beste Gleichnis Gottes, weil auch in der Schrift Gott „die Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 4,2) genannt wird. [aus dem „Spiegel der Vollkommenheit“]

FRAGEN ZUR PERSÖNLICHEN MEDITATION: [m. Blick auf Sonne in Mitte]

  • Was verbinde ich mit Bruder Sonne?
  • Was war mein schönstes Erlebnis (oder ein sehr schönes) mit der Sonne?
  • Habe ich schon einmal an Gott gedacht, während ich in der Sonne gebadet habe?


STILLE

GEBET ZUM ABSCHLUSS:
Gott, du bist das Licht, aus dir kommt alles Licht.
Was hell ist in meinem Leben,kommt aus dir.
Aussicht und Zuversicht kommen aus dir.
Schaue ich zur Sonne, so erfüllt mich ihr Licht mit Freude und Lebensmut.
Energie und Kraft durchströmen mich.

Ich danke dir, Gott, für das Licht der Sonne, das unsere Tage hell macht.
Ich danke dir für das Licht, das du selbst in meinem Leben bist,
das mir Hoffnung und Zuversicht gibt,
heute und alle Tage meines Lebens. Amen.